Es ist doch immer das selbe. Da redet einer von Blau und meint Marine, der Andere versteht Azur und meint Cyan.

Rein objektiv gesehen wird dieses "Blau" aber technisch zusammengesetzt. Will heissen, je nach Farbraum und Qualität der Basisbestandteile gibt es einen bestimmten Mix. Und wenn Farbraum und Basisbestandteile in der selben Menge zusammenkommen, gibt es immer die selbe Farbe.

Theoretisch.

Praktisch ist es (leider) so, dass es Farben gar nicht gibt. Ja, ehrlich. Farben werden in unserem Gehirn erzeugt, nachdem die Augen mit ihren Linsen und Rezeptoren Lichtwellen "aufgefangen" haben.

Und diese Lichtwellen sind die Überbleibsel einer Kollision von Licht aus der Lichtquelle mit einem Material, das einen Teil des Lichtes "schluckt".  Also: Sonne scheint auf Blatt, Blatt schluckt ein bisschen Licht, Blatt spuckt den Rest aus, den wir dann als "Grün" wahrnehmen. Und je nach Tageszeit, nach Linse in unserem Auge und den Rezeptoren ist das Grün ein bisschen bläulicher oder rötlicher oder was auch immer.

Besonders ärgerlich wird's bei Firmenfarben. Als Teil des Corporate Design soll ja besagtes "Blau" das gleiche sein, ob auf einem Bauteil oder dem Briefbogen, ob auf Metall oder Kunststoff oder auf dem Monitor, der die "Homepage" (unter Anführungszeichen, dazu später einmal mehr) zeigt.
Und das ist schlicht fast unmöglich. Denn da haben wir verschiedenste Farbräume auf verschiedensten Materialien in unterschiedlichster Umgebung. Ja, es ist sogar so - wenn man an Monitore denkt -, dass ein und der selbe Farbraum auf ähnlichen Materialien/Farbträgern ganz andere Ergebnisse zeigt. Monitor ist nicht Monitor, Papier nicht Papier und der Türgriff in der Eingangshalle ist nicht der Türgriff der Tür zum Chef-Büro.

Was lernen wir daraus? Bleiben wir locker. Denken wir an die Heraldik: Da war/ist noch Rot Rot. Schlimmstenfalls Purpur. Aber kein Orange. Und was sind unsere Logos anderes als (Firmen-)Wappen?

Okay, ich habe übertrieben. Ein bisschen.

07.01.2017

Kennen Sie das auch? Sie möchten einem geliebten Menschen ein besonders schönes Geschenk machen. Sie entschliessen sich eine exklusive Kaffeemaschine zu kaufen. Nach langem Suchen finden Sie eine, die besonders gelungen zu sein scheint. Der Verkäufer preist viele Vorzüge an, die Sie überzeugen, die richtige Maschine zu kaufen. 

Der Beschenkte freut sich über das exquisite, futuristische Aussehen. Die Farbe! Die Details!  

Und dann die grosse Ernüchterung. Wo zum Henker kommt der Kaffee rein? Wo das Wasser? Und wie bekommt man den gewünschten Kaffee in die Tasse? Ach herrje, die grosse Lieblingsfrühstückstasse passt ja gar nicht drunter! Und über das Display kann ich zwar staubsaugen, Selfies aufnehmen und im Internet surfen, aber "mein" Standard-Espresso will nicht in die Tasse. Und ausserdem will das Gerät zuerst spülen. Mit oder ohne Wasser. Endlos.  

Der Klassiker, wenn auch leicht übertrieben formuliert.  

Funktion und Design harmonieren nicht. Abgesehen davon, dass man sich darüber streiten kann, was denn eine Maschine alles machen können muss, muss das Design die Funktion unterstützen. Was in Zeiten von Emoticons und Hinweistafeln schon längst gang und gebe ist, von allen verstanden wird, wird - vor allem - bei so alltäglichen Dingen wie einer Kaffeemaschine sträflichst vernachlässigt. Als wollte man - ums Verrecken - einen Mehrwert generieren. Wenn ich staubsaugen will, kaufe ich mir einen Staubsauger, wenn ich Kaffee kochen will, muss das Zeug Kaffee machen können. Wenn ich zudem eine mehrseitige Bedienungsanleitung brauche, um ein banales Ergebnis zu bekommen, hat der Designer etwas falsch verstanden.  

Und was für Kaffee-, Wasch- und sonstige Maschinen gilt, gilt genauso für Ihre Druckerzeugnisse. Für Flyer, Kataloge und - vor allem - für Ihren Internetauftritt. 

Weniger ist IMMER mehr. Immer. Und es geht IMMER um Hierarchien. Immer darum: Was ist das Wichtigste? Bei wem will ich welche Reaktion erreichen?

Richtiges Design unterstützt diese Funktion(en). Es zeigt mit Schriftgrösse und -stil, mit Fotowahl und -ausschnitt, mit dem richtigen Icon und der richtigen Farbe worum es geht. 

Und - mein Lieblingssatz: Überwinden Sie den Horror vacui!, die Angst vor einer (vermeintlich) leeren Stelle. Geben Sie dem Auge die Chance sich zu entspannen, überfordern Sie nicht den Angesprochenen!  

Leiten Sie Ihren Kunden! Sie werden ihn damit fesseln.

31.12.2016